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Sind Eicheln giftig?


17.03.2010, 09:02
Beitrag #1

Sind Eicheln giftig?

 
Sind Eicheln giftig? Meine Eltern erzählten mir das. Nur weshalb fressen dann so ziemlich alle Wildtiere Eicheln? Wenn wir Eicheln essen könnten, wäre das eine unerschöpfliche, kostenlose Quelle. Insbesondere in Notzeiten. Als Kind habe ich die mit Freunden immer für den Förster gesammelt. Vielleicht ist der ja so immer gut über den Winter gekommen und hat nur die armen Tiere vorgeschoben Big Grin
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17.03.2010, 11:19
Beitrag #2
Re: Sind Eicheln giftig?  
Nein, Eicheln sind nicht giftig. Sie sind nur extrem bitter und dadurch unverträglich. Vor der Zubereitung sollten Eicheln eine Stunde gewässert werden um die Bitterstoffe zu entziehen. Anschliessend kann man sie trocknen und durch einen Fleischwolf drehen um so Eichelmehl zu erhalten. Eichelmehl ist sehr sättigend. Es wurde in den Mangelzeiten sehr gern genutzt und es gibt wohl nicht Wenige, die durch kostenlos zu erhaltendes Eichelmehl Mangelzeiten überlebt haben. Ich werde die Tage mal ein paar Rezepte einstellen.
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17.03.2010, 19:31
Beitrag #3
Re: Sind Eicheln giftig?  
Eicheln sammelst Du am besten bei trockenem Wetter von August bis in den Oktober hinein. Im Gegensatz zu Tomaten solltest Du bei Eicheln die grösseren Eicheln aufsammeln und darauf achten, dass sie keine Wurmlöcher aufweisen. Die kleinen Eicheln sind bitterer. Die Eicheln werden anschliessend im Keller in 30cm hohen Kisten gelagert. Im Frühjahr fangen sie an zu keimen, das ist gut so und wünschenswert. Keimen sie nicht von alleine sollten sie ausgebreitet und leicht befeuchtet werden. Nach dem Keimen geht es daran, die Eicheln von den Schalen zu befreien. Das kann mühsam mit einem Messer geschehen. Einfacher ist die Röstung. Dafür werden die Eicheln in einen Topf mit Deckel geschüttet und unter ständigen Umrühren erhitzt, bis die Schale explosionsartig aufplatzt. Am Ende sollten die braunen Eichelsamen frei liegen. Auf keinen Fall dürfen sie bei der Röstung dunkelbraun oder gar schwarz werden. Das Rösten dient nicht der Geschmacksverbesserung sondern ist lediglich zur Befreiung der Samen von Schale und Haut gedacht.
So, jetzt hat man die Eicheln, die geradezu widerlich bitter schmecken und recht unverdaulich sind. Um die Eicheln von der bitteren Gerbsäure zu befreien, werden sie für eine Stunde in kaltes Wasser eingelegt. Dem Wasser kann je 2 Liter ein Teelöffel Schlämmkreide (Von Sand und Steinen durch sieben und schlämmen befreite Kreide) zugefügt werden. Anschliessend werden die Eicheln abgeseiht und nochmals unter fliessenden Wasser abgewaschen. Zuletzt werden sie nochmals getrocknet und gemahlen. Zum Mahlen der Eicheln eignet sich ein Fleischwolf.

So, jetzt hat man Eichelmehl, mit dem man vielseitig kochen und backen kann. Es reichert auch jede andere Speise an, so dass sie sättigender wird. Ein paar Dinge müssen bei der Verwendung von Eichelmehl beachtet werden. Es sollte nicht in Unmengen gegessen werden, was kein Problem darstellt, denn es ist extrem sättigend. Eichenmehl quillt kaum und zur besseren Verdaulichkeit sollte Eichelmehl bei der Essenszubereitung möglichst mitgekocht werden.
Eichelmehl kann man Suppen oder Eintöpfen beifügen. Nachfolgend noch das Eine oder Andere Rezept.

Eichelbrei
1 Tasse Eichelmehl mi 6 Tassen Wasser 5 Minuten kochen anschliessend 1 Tasse Haferflocken, Griess, Dinkelflocken oder Hirseflocken zufügen und kurz weiter kochen lassen. Anschliessend 15 Minuten quellen lassen. Für süssen Eichelbrei können Waldfrüchte oder Obst hinzugefügt werden. Für herzhaften Eichelbrei bieten sich angeröstete Kräuter, Zwiebeln etc. an. Den Ideen sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Eichelauflauf
500g Brot in Wasser einweichen. Anschliessend mit 400g Eichelmehl und 500g rohen, geriebenen Rüben zermatschen. Nach Geschmack, süss oder herzhaft durch gewünschte Zutaten gestalten. Wildkräuter wie Hirtentäschel, Gundelrebe, junge Löwenzahnblätter und Gänseblümchen eignen sich vorzüglich. Alles kommt dann in eine gefettete Backform und wird 40 Minuten gebacken.

Eichelbrot
500g Mehl in lauwarmen mit Hefe angesetzten 3/4 Liter Wasser vermischen und kneten. Anschliessend 2 Stunden an einem warmen Ort gehen lassen. Anschliessend sehr intensiv mit 500g Eichelmehl verkneten. Dann aus dem Teig ein Brot formen oben mit Messer einkerben und nochmals 1 Stunde gehen lassen. Zum Schluss im vorgeheizten Backofen ca. 1 Stunde bei 200 Grad backen lassen.

Eichelrezepte gibt es viele. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Hauptsächlich ist es in Notzeiten zur Anreicherung der wenigen Nahrung gewesen.
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18.03.2010, 09:17
Beitrag #4
Re: Sind Eicheln giftig?  
Du hast vergessen zu schreiben, dass Eichelmehl ziemlich gewöhnungsbedürftig schmeckt. Ich habe einmal Eichelkaffee getrunken. Mit Kaffee hatte der nichts zu tun. Schmeckte ehrlich gesagt zum weglaufen und führt bei den ganz harten Dauertrinkern zu Verstopfung.
Obendrein liegen Eicheln schwer im Magen. Sie sind zwar sättigend aber halt auch schwer verdaulich.
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10.12.2011, 16:47
Beitrag #5
Re: Sind Eicheln giftig?  
In "Ernte ohne Saat" von Kocher / Rothmayr (1946) ist geanz genau beschrieben, wie man Eicheln oder auch Rosskastanien entbittert, um daraus Stärkemehl zu gewinnen. Man muß das Mehl mehrmals einweichen und spülen, einmal reicht nicht!
Wer das Glück hat, ein Exemplar dieses vergriffenen Buchs aus der Nachkriegszeit aufzutreiben, hätte tatsächlich eine chance, in der wildnis zu überleben... ws besseres über wildwachsnde Nahrung jeder Art hab ich noch nie gelesen!
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10.12.2011, 17:26
Beitrag #6
Re: Sind Eicheln giftig?
 
Das Buche Ernte ohne Saat kann man bei findmybook.de gebraucht bestellen.
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10.12.2011, 20:13
Beitrag #7
Re: Sind Eicheln giftig?  
Vielen Dank für den Tipp. Ich habe es mir mal bestellt.
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11.12.2011, 00:16
Beitrag #8
Re: Sind Eicheln giftig?  
ich auch
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17.12.2011, 20:54
Beitrag #9
Re: Sind Eicheln giftig?  
Ein ganz normales Kräuterbuch. Der Titel verspricht etwas, was das Buch nicht erfüllen kann. Sad
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27.12.2011, 22:41
Beitrag #10
Re: Sind Eicheln giftig?  
Bin auch darauf reingefallen und habe mir das Buch Ernte ohne Saat gekauft. Ein Kräuterbuch und nicht mal ein besonders gutes. Wer viele wilde essbare Pflanzen und Rezepte erwartet, wird von diesem Buch sehr enttäuscht sein. Zumal sich der Großteil des Buchs auf Heilkräuter bezieht und der erste Teil sich mit Frühjahreskur beschäftigt. Das Giersch und Brennnesseln essbar sind wird für die meisten auch keine sonderliche Überraschung sein.
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